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Schnell fit durch EMS-Training?

Wie angekündigt haben wir uns heute mit dem Thema EMS-Training beschäftigt. EMS (Elektromyostimulation) ist dabei eine Trainingsform, bei welcher die Zielmuskulatur von außen durch Stromimpulse zur Kontraktion gebracht und damit der Trainingsreiz ausgelöst wird. Bekannt ist diese Methode bereits seit einigen Jahrzehnten und wurde bisher überwiegend zur rehabilitativen Versorgung immobiler oder verletzter Patienten eingesetzt.

Inzwischen erfreut sich EMS-Training jedoch auch im Breitensport stetig wachsender Beliebtheit und so drängen aktuell mehrere Hersteller in Fitness- oder sogenannte Mikrostudios und bewerben ihre “neue” Trainingsart. Doch wie effektiv ist dieses Training für den normalen Fitnesssportler zum Muskelaufbau tatsächlich?
In der Tat belegen bereits diverse Studien die positiven Effekte von EMS-Training. Von Verbesserung der Maximalkraft, Fettreduktion bis hin zu erhöhtem Energieverbrauch sind Effekte nachweisbar. Und damit werben die Hersteller verständlicherweise auch. Insbesondere wenn man den relativ geringen Zeitaufwand von meist nur 20 Minuten für ein Workout in Betracht zieht, scheint es sich bei EMS um eine höchst effektive Trainingsform zu handeln.
Schaut man sich die viel rezitierten Studien jedoch einmal genauer an, weisen die Autoren allerdings darauf hin, dass es sich zwar um eine effektive Trainingsmethode handelt, aber insbesondere für Personen, die nicht in der Lage oder unwillig sind, ein konventionelles Training durchzuführen.

Also ist EMS-Training eigentlich insbesondere für weniger trainierte Personen geeignet, bei denen mit geringem Aufwand durch EMS sehr gute Ergebnisse erzielt werden können. Für ambitionierte Sportler ist EMS-Training zwar sicherlich ein gutes Ergänzungstraining um Abwechslung in den Trainingsalltag zu bringen, sich allein von EMS einen Traumkörper zu versprechen, ist jedoch aus diversen Gesichtspunkten eher unwahrscheinlich.
Einerseits wird EMS-Training als Ganzkörpertraining angepriesen. Tatsächlich befinden sich die Elektroden jedoch nur auf einigen Hauptmuskelgruppen. Wichtige Muskelpartien wie zum Beispiel im Bereich der Schultern, Unterarme oder Waden werden hierbei vernachlässigt. EMS erlaubt zwar eine flexible Trainingsgestaltung und damit auch Übungen, wo diese Muskelgruppen mit einbezogen werden, jedoch unterscheidet sich für diese Regionen der Trainingsreiz dann nicht mehr von einem konventionellen Training.
Andererseits werden wichtige Trainingsbereiche wie Ausdauer und Koordination, die für jeden Sportler essentiell sein sollten, bei konventionellem EMS-Training nicht ausreichend oder gar nicht trainiert. Immerhin werben auch hier die Hersteller damit, dass man EMS gleichzeitig zum Ausdauertraining auf dem Fahrradergometer, Laufband oder ähnlichem nutzen kann, jedoch widerspricht dies ihrem eigenen Konzept von nur 2 mal 20 Minuten Training die Woche.
Außerdem erstrecken sich die Studien zu EMS-Training meist nur über kurze Zeiträume und werden mit kaum bis moderat trainierten Probanden durchgeführt. Hier zeigt Training (egal welcher Art) natürlich innerhalb kürzester Zeit erstaunliche Ergebnisse! Sind die Trainierenden jedoch bereits fortgeschritten und an den Trainingsreiz gewöhnt, werden die Trainingsfortschritte natürlich mit der Zeit entsprechend geringer ausfallen.

Ebenfalls zu bedenken ist die besondere Gestaltung der Trainingsintensität beim EMS-Training. Bei kaum einer anderen Trainingsform kann der Instructor von außen die Intensität des Trainings so gut steuern wie beim EMS. Dies hat natürlich den Vorteil, dass die Trainierenden entsprechend gefordert werden und schneller Erfolge erreichen können. Dies setzt jedoch ein gewisses Feingefühl und entsprechende Trainingskompetenzen beim Instructor voraus. Diese sind bei klassischen EMS Anbietern meist jedoch nur dürftig ausgebildet. Dies erhöht die Gefahr, den Sportler zu hohen Stromintensitäten auszusetzen. Diese können sich u.a. negativ auf die Muskulatur oder das Herz-Kreislauf-System auswirken sowie mitunter permanente Gesundheitsschädigungen hervor rufen. Nicht aus Zufall werden deshalb normalerweise vor dem EMS-Training eine Liste von Kontraindikationen abgefragt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sich bei EMS jedoch um eine gute und effektive Trainingsmethode handelt, insbesondere für eher untrainierte Personen. Im Übrigen gilt für EMS-Training das Gleiche wie für fast jede andere Trainingsmethode – je höher das Trainingsniveau, desto geringer die zu erwartenden Effekte. Dennoch stellt auch für ambitionierte Athleten das EMS-Training eine gute Alternative da, um ab und zu neue Reize im Training zu setzen und ggfs. Trainingsplateaus leichter zu überwinden.